Lysandra Books Adventskalender – Türchen 16

Weihnachten feiern in Frankreich von Louise Bourbon

Natürlich ist auch in Frankreich Weihnachten ein Familienfest. Während in Deutschland das Hauptaugenmerk auf dem 24., dem Heiligen Abend, liegt, und die Geschäfte meist gegen 14:00 Uhr schließen, ist das in Frankreich ein regulärer Arbeitstag.
Erst in den Abendstunden versammelt man sich zum Réveillon, einem großen Weihnachtsessen, das mehrere Gänge umfasst und sich über mehrere Stunden hinzieht. Gegen Mitternacht bricht die Familie zur Mitternachtsmesse auf und feiert die eigentliche Christnacht.
Wird der Heilige Abend sehr traditionell gestaltet, findet der Weihnachtsschmaus sogar erst nach der Mitternachtsmesse statt – und er ist laut, fröhlich und wird von köstlichen Weinen begleitet. Champagner darf auf gar keinen Fall fehlen.
Eines der üblichen Hauptgerichte ist ein mit Kastanien gefüllter Truthahn – einige werden jetzt sicherlich an das amerikanische Thanksgiving denken – bei uns allerdings Ente à l’orange, wir lieben sie! Außerdem gibt es natürlich mindestens eine Käseplatte, verschiedene Fischgerichte, als Dessert wird der bûche de Noël gereicht, der Weihnachts-Baumstamm-Kuchen. Er soll daran erinnern, dass man in früheren Zeiten im Kamin einen Baumstamm verbrannt und die Asche anschließend auf die Felder gestreut hat, um Glück und gute Ernten anzuziehen.
Während die Erwachsenen manchmal bereits am Heiligen Abend die Geschenke austauschen, steht der erste Weihnachtsfeiertag ganz im Zeichen der Kinder. Ein Weihnachtsbaum, der sapin de Noël, ist übrigens nicht überall üblich, manche schmücken nur Gestecke oder hängen Mistelzweige auf. In einer der vielen Geschichten über die Herkunft des Weihnachtsbaums wird berichtet, sein Ursprung sei im Elsass zu finden, und habe sich von dort aus durch ganz Europa verbreitet.
Die Geschenke bringt natürlich der Père Noël, der Weihnachtsmann. Die Kinder stellen ihre Schuhe neben den Kamin oder unter den Baum, eine Tradition, die auch im in Deutschland bekannten Weihnachtslied „Petit Papa Noël“ besungen wird.
Interessant sind auch die unterschiedlichen lokalen Gebräuche. Im Elsass beispielsweise kommt statt des Knecht Ruprecht Hans Trapp, ein finsterer Geselle, der angeblich auf einen plündernden Raubritter des Mittelalters zurückgehen soll. Obwohl er die Kinder erschreckt, hat er dennoch Süßigkeiten für sie dabei.
Ich muss sagen, dass ich in Frankreich genau zwei Dinge unglaublich liebe. Zum einen die Mitternachtsmesse, die in größeren Kathedralen mit Chor und Musik gestaltet wird, und man das Gefühl hat, die Weihnacht spüren zu können. Und ich liebe das gemeinsame Musizieren und gemeinsame Singen französischer Weihnachtslieder. Und ja, die französische Fassung von Stille Nacht ist ganz grundsätzlich auch immer dabei.

(© Louise Bourbon)