Lysandra Books Adventskalender – Türchen 18

Teaser-Türchen unseres Autors Gideon Born
zum Steam Master-Roman »Schwarzer Aether«

Wer »Steam Master – Die Anthologie« gelesen hat, dem ist auch der Name Gideon Born ein Begriff. In der Anthologie war er mit der Kurzgeschichte »Masken« vertreten.

Anfang 2018 erscheint der erste Roman aus dem Steam Master-Universum.

»Schwarzer Aether« spielt zeitlich vor den Geschehnissen im viktorianischen BDSM-Hotel Aethernanox und nimmt den Leser mit zu den Anfängen der Mission des Steam Masters und Aetherfakte-Jägers Lucius Lokken.

Teaser

Markos trat zur Seite, um ein Paar vorbeizulassen und nahm den Prunk des Raumes in sich auf, während der Butler zum zweiten Mal ihre Einladungen überprüfte. Dessen Helfer – eigentlich waren es Wachen in der unauffälligeren Livree von Dienstboten – beobachteten die beiden Studenten am Eingang mit harten Blicken. Markos stützte sich unbekümmert auf seinen Stock und drehte ihnen demonstrativ den Rücken zu.
„Was ist los, Austen? Gibt es ein Problem?“
Der Butler richtete sich auf und nahm Haltung an. „Nicht direkt, Komtess Jagellon. Ich kann mich nur nicht erinnern, die Herren auf die Liste gesetzt zu haben.“
Irina winkte und der Butler reichte ihr die Einladungen. Das Papier knisterte in ihren hellen Seidenhandschuhen, ein kurzer Blick reichte ihr.
„Sie haben wie immer ein ausgezeichnetes Gedächtnis, Austen. Das ist meine Handschrift, aber die Namen habe ich nicht eingetragen. Das sind zwei der Blanko-Einladungen, die wir ausgestellt haben.“
Irina musterte Markos und Stephan unter ihrem weißen Schleier. „Wie sind sie in Ihre Hände geraten, Monsieurs?“ Die cremefarbenen Karten benutzte sie als Fächer.
Stephan antwortete nicht. Seit Irina neben sie getreten war, schien er erstarrt. Sie trug ein blassrosa Kleid aus Spitze, an dessen Saum dunkelrote – fast schwarze – Ranken emporwuchsen. Sicherlich war die Spitze mit hautfarbenem Stoff unterlegt, doch es war so gut gemacht, dass man nicht sicher sagen konnte, wo er anfing und wo nur noch die Spitze die Komtess bedeckte. Diese Spitze zog sich über ihren ganzen Oberkörper, Arme, Brust, sogar bis zum Hals, was entgegen der gängigen Mode ihr Dekolleté verdeckte. Markos musste feststellen, dass der Effekt höchst verwirrend war. Mehrmals glitten seine Augen ab bei dem Versuch, dem Rand des Unterstoffes zu folgen.
„Nun?“, fragte sie noch einmal und schlug mit den Karten in ihre Hand.
„Sie wurden uns von der Akademie zugelost! Für herausragende Ingenieurskünste!“ Markos zwang sich, den Blick zu heben und ihr bei dieser Lüge in die Augen zu schauen.
„Von der Akademie?“, überlegte Irina. Dann zog sie die Augenbrauen zusammen und musterte Markos’ und Stephans Aufzug. „Sie hätten besser einen anständigen Anzug verlost! In diesen Bauernfetzen können wir euch wohl kaum unter die Elite des Landes lassen.“ Sie öffnete erneut den Mund, wahrscheinlich um Markos und Stephan hinauswerfen zu lassen, als ein großer Mann in der Gardeuniform des Metallordens neben sie trat. Seine Hand suchte besitzergreifend Irinas und sie ließ es geschehen, wiewohl die Grübchen in ihrem Gesicht verschwanden.
Der Mann überragte sogar Markos. Um den Kopf trug er einen weißen Verband und daran erkannte Markos ihn schlussendlich wieder: Der Mann aus dem Arbeitszimmer der Villa Truchsky. Sein Name war … Alex.
„Prinzessin, Ihr habt mir den nächsten Tanz versprochen!“, begann er und runzelte dann die Stirn. „Belästigen Euch diese beiden? Ist das nicht der Mann, der Euch an der Promenade hinterherlief?“ Alex wandte sich an den Butler. „Austen, weisen Sie den Herren die Tür. Wir haben heute keine Tafel für Bittsteller!“
Stephans Kopf nahm eine rote Färbung an, er machte einen halben Schritt nach vorne, als Irina die Hand mit den Karten hob und dazwischenfuhr.
„Das geht leider nicht! Sie sind geladene Gäste und meine Unterschrift steht auf den Einladungen.“ Sie legte die Hand beschwichtigend auf Alex’ Unterarm. „Bitte, Junker Voulson. Bringt mich nicht dazu mein Wort zurückzunehmen. Ich kann sie nicht wegschicken, wenn … wenn sie nicht aus freien Stücken davon Abstand nehmen.“
Alex – Junker Voulson – presste die Kiefer aufeinander und nahm Stephans Blick auf. Die beiden starrten sich an, als wollten sie sich aufspießen.
Was wohl nicht weit von der Wahrheit entfernt ist, vermutete Markos. Sie sind Irina hoffnungslos verfallen und merken die Fäden nicht mal, an denen sie zieht. Ich könnte schwören, wenn Voulson nicht gewesen wäre, hätte sie uns hinausgeworfen. Karten hin oder her.
„Ja, das würden wahre Gentleman wohl machen!“, knurrte der Junker. „Anstatt eine Dame in so eine unangenehme Lage zu bringen.“
„Wir sind keine Bittsteller! Und ich habe die Prinzessin nie belästigt!“ Stephan schien seine Stimme wiedergefunden zu haben und schreckte in keiner Weise vor dem Junker zurück. Im Gegenteil, er baute sich buchstäblich vor ihm auf. Und auch wenn er kleiner war, sein breiter Brustkorb ließ Zweifel an der körperlichen Überlegenheit seines Gegenübers aufkommen. Stephan war auf dem Handelsschiff seines Vaters mitgefahren, hatte als Schiffsjunge angefangen und war nicht geschont worden. Markos war sich sicher, dass sein Freund sich durchaus in einer körperlichen Auseinandersetzung behaupten konnte.
Irina schaute den beiden Männern, die sich wie Hähne aufplusterten, ebenso gebannt zu wie die umstehenden Diener. Man konnte die Anspannung der bevorstehenden Streitigkeiten förmlich spüren. Wer würde zuerst ausfallend werden?
Markos beugte sich vor und zog mit einer schnellen Bewegung die Karten aus Irinas Hand.

(© Gideon Born/Lysandra Books Verlag)

Schwarzer AetherKlappentext

Es ist Weihnachten in der goldenen Stadt. Während der Adel unter den Dächern Prags in Prunk, Dekadenz und Orgien schwelgt, findet draußen der Kampf zweier Geheimgesellschaften statt. Mittendrin: Markos Bodhmall, Student der Aetherwissenschaften, auf der Suche nach dem geheimnisvollen Johann von Kladen. Was als persönliche Auseinandersetzung begann, wird schon bald zu einem Spiel mit höherem Einsatz. Umgeben von mächtigen Steam-Panzern, ebenso schönen, wie unanständigen Fürstentöchtern und eifersüchtigen Kontrahenten verlässt sich Markos nur noch auf seinen Glückszylinder – seine Rettung oder eine verhängnisvolle Entscheidung?
„Schwarzer Aether“ spielt zeitlich vor den Geschehnissen im viktorianischen BDSM-Hotel Aethernanox, bekannt aus „Steam Master – Die Anthologie“, und nimmt den Leser mit zu den
Anfängen der Mission des Steam Masters und Aetherfakte-Jägers Lucius Lokken.